16. Juni 2017

How to become a Hero

3 Profis geben Tipps, was auf dem Weg über die Sellaronda zu beachten ist und wie man beim Extremrennen durch die Dolomiten als Held im Ziel ankommt.

Simon Gegenheimer (GER/28), zweifacher Weltcupsieger im Sprint und einer der endschnellsten Mountainbiker der Welt

Starte mit vollem Energietank

Training ist wichtig und wer in seiner Trainingsvorbereitung faul war, der wird in den Dolomiten viel leiden müssen. Aber was nicht über Wochen und Monate antrainiert wurde, das kann man auch nicht in den letzten Tagen nachholen. Also akzeptiere dein Trainingslevel sechs Tage vor dem Start und regeneriere dich von da an nur noch mit lockeren Trainingseinheiten. Nur dann kannst du auch 100% deines aktuellen Vermögens abrufen und holst damit das Beste raus, was möglich ist. Zu viel zu hartes Training in den letzten Tagen vor dem Rennen macht deine Beine und den Körper nur müde für den eigentlichen Wettkampf.

Rémi Laffont (FRA/25), fuhr 2017 im gelben Trikot bei AlpsEpic, TransPYR und der Portugaltour und ist mit 54 Kilo ein absoluter Kletterspezialist

Verpflege dich bevor du es brauchst

Ich lebe in den französischen Pyrenäen, am Fuße des Tourmarlet. Hochalpines Gelände ist also meine Heimat und auch ich hatte schon sehr harte Schlüsselmomente in Folge eines Hungerasts. Wenn du in den Bergen keine Energie mehr hast, dann bist du verloren, du kannst nicht einfach einen Gang leichter schalten, mal ein wenig mitrollen und dich dabei wieder erholen. Es ist einfach zu steil und du es bleibt mehr oder weniger nur noch die Option anhalten. Es muss aber nicht soweit kommen, denn eigentlich ist das Ding mit der Ernährung ganz logisch. Energieriegel und Gels brauchen 15-20 Minuten bis sie über den Magen überhaupt im Körper ankommen, darum iss und trink bevor du es brauchst. Meine Faustregel lautet 1 Riegel, 1 Gel und 1 Trinkflasche Flüssigkeit pro Rennstunde. Zudem mindestens 2 Stunden vor dem Rennstart ein Frühstück, das du kennst und welches ausgewogen ist. Bei mir sieht es so aus: 2 Eier, 1 Brötchen mit Schinken und Käse und 2 Espresso.

Viviane Favery-Costa (BRA/31), brasilianische Meisterin 2016 und Top 5 beim Riva Bike Marathon 2017. Eine Kämpferin die niemals aufgibt

Einteilung ist das A und O

Der Hero ist lang, der Hero ist steil und der Hero wird dich fordern. All das steht bereits vor dem Rennen fest. Aber wenn man es weiß, dann kann man sich darauf vorbereiten und geht als stolzer Sieger aus dem Kampf. Im Grunde sind beim langen Sellarondahero vier Anstiege zu bewältigen, der Erste ist zwar steil aber gut zu fahren, hier heißt es cool bleiben und zurückhalten. Alle haben zu Beginn noch Kraft und fahren schnell aber das harte Stück Arbeit liegt noch vor uns. Berg zwei sollte dann voll und ganz mit Blick auf die Verpflegung gefahren werden. Beine locker behalten ist die Devise, denn direkt danach geht es in den dritten Anstieg und der hat es in sich. Es geht hoch bis in die Wolken und das auf erschreckend steilen Wegen. Man wird es sich selbst danken, wenn man sich ein paar Körner für diese harte Passage aufgespart hat. Der finale Berg No. 4 rollt dann eigentlich sehr gut, da darf man sich eher nicht täuschen lassen, dass es vom Gipfel aus nur noch bergab ins Ziel geht. Es kommend schon noch ein paar Wellen, die weh tun aber Leute, wer so weit gekommen ist, der schafft nun auch die letzten Meter und wird als echter Dolomitenheld in Wolkenstein eintreffen.