28. April 2016

Laufen wie die Marokkaner

Marathon Des Sables Race-Bericht

Viele finden das ist der bisher härteste Marathon Des Sables (MDS). Die Etappen sind länger, der Sandanteil deutlich höher, und in den ersten zwei Tagen haben wir auch noch ordentlich Gegenwind. Aber das ist eigentlich nicht das Wichtigste. Vom MDS wird mir im Gedächtnis bleiben, wie ich mit Rachid El Morabity, Abdelkader El Mouazis, Aziz El Akad und Samir Akhdar durch die Dünen laufe. Doch hier erst einmal einige Facts vom Rennen.

Marathon Des Sables Facts

Der Marathon Des Sables ist ein Etappenrennen über 260 Kilometer. Jeder Teilnehmer muss seinen Rucksack mit Essen für die gesamte Zeit, Schlafsack und sonstiger Ausrüstung selbst tragen.

Über 13.000 Starter sind den MDS seit der ersten Durchführung 1986 gelaufen:

30 % wiederkehrende Läufer
70 % aus verschiedenen Ländern
30 % Franzosen
14 % Frauen
45 % Veteranen
30 % in Teams von drei oder mehr
10 % Geher
90 % abwechselnd Geher/Läufer
14 km/h: durchschnittliche Höchstgeschwindigkeit
3 km/h: durchschnittliche Mindestgeschwindigkeit
Alter des jüngsten Läufers: 16
Alter des ältesten Läufers: 79

Team Marokko plus eins

Mein Weg zum Marathon Des Sables beginnt im Februar. Ich habe das Glück, eine Woche in der Nähe von Zagora in Südmarokko in der Wüste verbringen zu können. Dort bin ich zusammen mit Luchine und Samir Akhdar und einigen sehr guten französischen Läufern. Mit Samir laufe ich viel in dieser Woche. Er ist ein so netter Kerl, und darüber hinaus ein äußerst erfahrener Wüstenläufer (neunmaliger MDS-Finisher). Samir bringt mir bei, in den Dünen zu navigieren und zeigt mir, wie man verschiedene Sandformationen am besten angeht. Von ihm lerne ich auch, wie marokkanisches Teamwork geht.

Um das genauer zu erklären, springen wir am besten direkt zum Start des MDS am 10. April. Zwei Tage vor der ersten Etappe werden wir mitten in der Wüste in Ouest Erg Chebbi abgesetzt. Ich bin ziemlich nervös, freue mich aber, dass das Rennen endlich losgeht. Nach drei Kilometern treffen wir schon auf die Erg-Chebbi-Dünen, eine der größten Sandformationen der Sahara. Ich weiß, dass die Marokkaner als Team laufen werden, also hefte ich mich an Samirs Fersen. Und genau so kommt es: nach einigen hundert Metern im Sand warten alle Marokkaner, bis die Läufer an der Spitze geradeaus in die Dünen laufen. Dann biegen Samir und Rachid scharf links ab und wählen ihren eigenen Weg. Ich bleibe dran und bekomme eine Lektion in Sachen Wüstenlauf, die ich nicht vergessen werde. Sie laufen derart geschmeidig durch den Sand, dass man glauben könnte, sie wären auf einem Trail unterwegs. Manchmal teilen sie sich in zwei Gruppen auf, um verschiedene Routen zu testen. Dabei bleiben sie in ständigem Kontakt, sodass alle schließlich den jeweils besseren Weg durch die Dünen einschlagen können.

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©iancorless.com

 

Nach acht oder neun Kilometern durch die Dünen muss ich die Marokkaner dann ziehen lassen, ich kann nicht mit ihnen Schritt halten. Aber es geht mir gut und ich beschließe, mein eigenes Tempo zu gehen. Bald finde ich in meinen Tritt. Am Ende bin ich Neunter mit 23 Minuten Rückstand auf die Führenden.

Das Muster der ersten Etappe wiederholt sich während des gesamten Rennens. Ich beginne jeweils relativ schnell, laufe ein Stück mit den Marokkanern, und stelle dann mein Tempo für den Rest des Tages ein. Ich trage keine GPS-Uhr, nicht einmal eine Stoppuhr, habe also keine Informationen zur Laufzeit oder Distanz. Ich konzentriere mich nur auf mein Gefühl und meinen Körper und versuche, mit der Hitze klarzukommen.

Die nächste Etappe wartet schon

Für ein Etappenrennen sind bei jedem Lauf auch schon der jeweils nächste Tag und die nächste Etappe wichtig. Ich persönlich beginne mit der Vorbereitung auf die nächste Etappe, sobald ich die Ziellinie überquere. Sofort gehe ich weiter zur Wasserstation, wo ich meine Ration abhole, dann zu meinem Zelt, um mein Mittagessen vorzubereiten, bzw. an langen Tagen mein Abendessen.

MDS tents

Während ich meinen Couscous aufwärme, nehme ich meinen Recovery Drink zu mir. Die Zeit zwischen Mittag- und Abendessen bin ich meistens mit meinem Altra Teamkameraden Jason Schlarb im Zelt. Jason und ich kommen bei allen Etappen fast zeitgleich an. So ergibt es sich, dass wir sehr viel Zeit zusammen in unserem Zelt verbringen. Um 20 Uhr essen wir zu Abend und gegen 21 Uhr gehen wir schlafen.

MDS-tent

Wir schlafen beide nicht besonders gut. Tags darauf starten wir gegen 6 Uhr mit einem leichten Frühstück, um dann schon wieder die Schuhe zu schnüren und uns für einen weiteren Tag in der Wüste bereit zu machen.

Kalorienzufuhr

Die Regeln des MDS schreiben vor, dass jeder Läufer mindestens 2.000 kcal pro Tag zu sich nehmen muss. Ich esse deutlich mehr als die Mindestanforderung, im Schnitt etwa 3.000 kcal.

Mein Speiseplan:

  • Zum Frühstück selbst gemachtes Müsli mit Milchpulver und ein Frucht-Nuss-Riegel.
  • Während des Rennens Sportdrinks von Tailwind Nutrition, ein paar Gels und etwas Snickers.
  • Mittags Couscous mit Erdnüssen, dann einige Frucht-Nuss-Riegel und zwischendurch Nüsse und Trockenfrüchte..
  • Gefriergetrocknetes Abendessen von Mountain House. Obwohl ich mich normalerweise nur pflanzlich ernähre, enthalten meine Mahlzeiten in der Wüste auch Hühnchen und Milchprodukte, denn ich finde keine pflanzlichen Trockenmahlzeiten mit einem vergleichbar hohen Verhältnis von Gewicht zu Kalorien.

Ausrüstung

Ganz ehrlich, meine Ausrüstung funktioniert bestens, ich würde nichts verändern, wenn ich den MDS nochmal laufen würde. Ein kleiner Fehler unterläuft mir aber doch: ich habe eine Hose im Gepäck, die ich auf den ersten beiden Etappen nicht benutze. Deshalb gebe ich sie zu Beginn des dritten Tags ab.

Ich laufe mit GORE RUNNING WEAR® Fusion Shirt und Shorts. Extrem leicht, schnell trocknend, bequem und perfekt für die Wüste. Außerdem trage ich ein Unterhemd und Unterwäsche von GORE RUNNING WEAR®.

Erfolg!

Am Ende lande ich auf dem 9. Platz, nachdem ich auf allen Etappen unter den Top 10 war. Es geht mir nie über längere Zeit wirklich schlecht, ich habe das Gefühl, dass ich auf allen Etappen so schnell laufe, wie ich kann, und mir dabei immer noch etwas Energie für den nächsten Tag aufspare.

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