4. Oktober 2016

Mountainbike-Rookie: Fahrtechnik für Einsteiger

Lailas erste Saison auf dem Mountainbike neigt sich dem Ende zu. Ein kleiner Fahrtechnik-Kurs für Mountainbike-Einsteiger.

Er blickt noch einmal zu mir zurück und sagt: „Das eine musst du wissen, Laila, du wirst dir weh tun.“ Dann tritt mein Kumpel in die Pedale, um mich durch meinen ersten Mountainbike-Trail zu führen. Keine drei Minuten später hat es sich schon bewahrheitet: Er überquert vor mir diesen gar nicht so kleinen Baumstamm, sieht easy aus, ich will es ihm übermutig gleichtun. Der größte verfügbare Bluterguss am rechten Oberschenkel war mein kleines Souvenir meiner ersten Mountainbike-Trail-Ausfahrt. Der blieb so um die zwei Wochen in diversen Blau-Lila-Pink-Nuancen. Seither habe ich Knieprotektoren … Ich bin trotzdem wieder aufs Bike gestiegen, das Trail-Fieber hat mich gepackt, auch wenn ich dabei als Mountainbike-Rookie ab und an für Stau auf den Trails sorgte.

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MTB Protektoren schützen dich auf dem Bike

Technikkurs Best-Of

Probieren geht über Studieren? Am besten beides in Kombination. Ein paar Mountainbike-Basics zu kennen und diese dann auf dem Trail auszuprobieren erhöht den Spaßfaktor und die Sicherheit auf dem Bike, das kann ich nach meiner ersten Saison und einem kleinen Technikkurs unterschreiben.

Outfit

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Die wichtigsten „Accessoires“ sind immer dabei …

Helm und Knieprotektoren sind Pflicht, sagt mein Technikkursleiter. Handschuhe, Ellbogenschoner und einen Rucksack, der mich auch im Falle eines Sturzes etwas schützen kann, ebenfalls. Und Outfit-technisch muss man sich beim Mountainbiken entgegen dem Rennradeln nicht in hautenge Teile pressen, richtig gute Klamotten gibt’s hier: zur Power Trail Lady Kollektion.

Sattelhöhe

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Die richtige Sattelhöhe lässt sich leicht ermitteln

Die meisten haben ihren Sattel zu tief eingestellt. Um die optimale Sattelhöhe herauszufinden, zumindest mal für den Start der Tour, den Arm über den Sattel hängen lassen, so dass der Sattel in der Achsel liegt. Der Sattel hat in etwa die richtige Höhe, wenn die Handfläche die Mitte des Tretlagers berührt. Wer es mathematischer mag: die Hügiformel anwenden. Die Schrittlänge messen und mit 0,885 multiplizieren. Das Ergebnis ergibt den Abstand zwischen der Mitte des Tretlagers und der Satteloberkante.

Körperhaltung

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Leicht angewinkelte Arme und Beine, den Blick voraus gerichtet.

Grundposition: Pedale waagerecht, das Gewicht lastet auf den Pedalen, nicht auf dem Lenker. Relativ aufrechter Oberkörper, Knie und Arme sind locker und leicht gebeugt, dein Körperschwerpunkt ist über dem Tretlager, ein Finger an der Bremse.

Richtig bremsen

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Kontrollierte Bremspower auf dem Trail

Bremsen üben. Gähn. Hört sich erstmal lahm an. Schnell anfahren, bremsen, langsam anfahren, bremsen, nur Vorderradbremse, nur Hinterradbremse – ein Gefühl dafür bekommen, wie das Bike auf die kleinen Bewegungen in meinen Zeigefingern reagiert. Tipp: Frauen verwechseln ganz gern mal rechts und links, ein Finger an der Vorderbremse und zwei Finger an der Hinterradbremse lösen das Problem für Rookies mit Rechts-Links-Schwäche. Weiter geht’s: Gleichzeitig dosiert die Vorder- und Hinterradbremse ziehen, dann jede ganz sanft einzeln, dann mal Vollgas geben und ebenso Vollgas die Bremse ziehen – wie bei einer Notbremsung. Ich bin fast vorn übers Bike geknallt. Merke: Notbremsung = Gewicht komplett nach hinten verlagern und über den Sattel rückwärts absteigen, während der Lenker fest in den Händen bleibt.

Nützliche Poser-Tricks: Vorder- und Hinterrad anheben

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Sieht ganz cool aus, wenn man das Vorder- und/oder Hinterrad in die Luft schwingt! Ist aber vor allem auch super praktisch, denn besonders beim Anheben des Vorderrads kommst du ganz einfach über kleine Hindernisse, wie meinen „Bluterguss“-Baumstamm oder einen Randstein. Das übt man am besten in der Geraden: Anfahren in der Grundposition, die Beine geben durch Anwinkeln und Strecken einen Stoß in das Tretlager, gleichzeitig federt man mit den Armen etwas in den Lenker hinein und streckt die Arme, der Oberkörper geht nach oben, das Vorderrad schwingt in die Luft. Das funktioniert nach ein paar Trockenfahrten auch im Gelände: Wichtig ist hier ebenfalls das Timing, den Lenker erst kurz vor dem Hindernis hochziehen, damit du drüber kommst.

Um das Hinterrad in die Luft zu heben, beugst du die Knie und ziehst das Hinterrad mit den Füßen an den Pedalen in die Luft. Die Füße stehen dabei im Moment des Anhebens ganz kurz fast vertikal zum Boden. Der Oberkörper bleibt relativ aufrecht, mit einem kurzen Zug auf die Vorderradbremse geht es noch einfacher. Beide Techniken kombiniert und das gesamte Rad ist in der Luft: fast wie Fliegen!

Steilhänge fahren

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Die Technik zählt auf steilen Stücken

 

Ob ein kurzes steiles Stück bergab, oder so richtig Downhill, das Timing zählt: Sobald sich der „Abgrund“ vor dir auftut, entspannt in der Grundposition anfahren, die Grundposition beibehalten und den Schwerpunkt zentral über dem Tretlager halten. Sobald es bergab geht, den Lenker weit nach vorne schieben, der Oberkörper und die Knie senken sich leicht ab, der Po geht hinter den Sattel, aber nicht so übertrieben, sonst verlierst du den Bodenkontakt mit dem Vorderrad. Mich hat es erstmal etwas Überwindung gekostet, mich samt Bike in die Tiefe zu stürzen, macht aber total viel Spaß, sobald man sich getraut hat.

Stufen fahren

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Sobald sich eine oder mehrere Stufen vor einem auftun, reagiert man mit einer leichten Gewichtsverlagerung nach hinten, sobald sich das Vorderrad in die Stufe legt. Sind beide Räder in den Stufen, wird das Gewicht komplett hinter den Sattel und nach unten verlagert, die Arme schieben den Lenker gestreckt weg, Körperspannung halten und das Bike rollt theoretisch wie von selbst. Am besten vor oder nach den Stufen bremsen, sollte es während der Stufen-Fahrt vonnöten sein, dann auf beiden Bremsen und wirklich nur minimal.

Habt ihr noch ein paar wertvolle Tipps für Anfänger? Hinterlasst einen Kommentar!

Happy Trails!
Laila

  • Harald Michel

    Eine vom Lenker aus verstellbare Sattelstütze hilft ungemein. Ein niedriger Sattel bringt bergab mega Sicherheit und dank Bedienung über den Lenker ist er auch schnell wieder da wo er hingehört wenn es wieder bergauf oder geradeaus weitergeht.

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