8. Juli 2016

Sitzpolster: das Herzstück jeder Radhose

Zu eng geschnittene Beinabschlüsse drücken an den Oberschenkeln, zu wenig Spielraum im Bereich der Weichteile quetschen, sagen die Männer, und ein zu großes Sitzpolster fühlt sich an wie eine riesige Windel. Die richtige Radhose zu finden ist gar nicht so einfach. Deshalb habe ich mich mit Anita Röckl von Gore getroffen. Die Diplom-Ingenieurin für Bekleidungstechnik ist Spezialistin für Sitzpolster und damit für das Herzstück der Radhose. Mit ihr habe ich darüber gesprochen, worauf es bei der Wahl des richtigen Sitzpolsters und der Suche nach der perfekten Radhose eigentlich ankommt.

Anita, wie entsteht das Herzstück der Radhose bei GORE BIKE WEAR® überhaupt?

Anita: Bei der Entwicklung eines Sitzpolsters gehen bei uns zwei Dinge Hand in Hand: Wir entwickeln unsere Innovationen aus dem jahrelang gewachsenen Verständnis für die Bedürfnisse eines Radfahrers heraus. Und wir hören ganz intensiv in den Markt hinein. Gemeinsam mit unserem langjährigen Partner elastic interface® erarbeiten wir daraus Lösungen, die dem Radfahrer besonderen Komfort bieten. Aus der Grundidee entsteht ein erstes Design, viele Prototypen und dazwischen stehen umfangreiche Test. Bis wir zufrieden sind und in die Produktion gehen. Das alles braucht viel Zeit, heute zum Beispiel sprechen wir schon über die Kollektion für Sommer 2018.

Aus welchen Komponenten besteht ein Sitzpolster?

Anita: Im Prinzip handelt es sich um offenzellige Schäume in verschiedenen Dichten und Stärken, je nach Level und Einsatzbereich. Bei dieser Sorte Schaumstoff fließt die Luft frei zwischen den Zellen und das Polster nimmt nach jedem ausgeübten Druck wieder seine ursprüngliche Form ein. Wichtig ist uns dabei immer, dass das Obermaterial abrasionsbeständig ist und extrem schnell trocknet, so dass auf der Haut stets ein angenehmes Gefühl gewährleistet ist. Unsere Sitzpolster sind extrem atmungsaktiv und bieten ein hohes Maß an Elastizität und Feuchtigkeitsmanagement, bei jeder Temperatur.

Was ist bei der Wahl der richtigen Radhose wichtig?

Anita: Natürlich ist zu aller erst einmal entscheidend, in die Hose reinzuschlüpfen, sie soll sich bequem anfühlen. Das Polster soll eng am Körper anliegen und es darf nicht abstehen, sonst entsteht schnell ein Windel-Gefühl. Ob kleine Spritztour oder Alpenüberquerung, man sollte sich klar sein, für welchen Einsatzbereich man das Sitzpolster in der Radhose verwenden möchte.

Sitzpolster Konstruktion
Wenn man sich die ganzen Sitzpolster hier im ShowRoom von Gore Apparel in Feldkirchen-Westerham bei München so ansieht, wird schnell klar: das eine für alles gibt es nicht. Ob Rennrad, Mountainbike oder Stadtradeln, der Anwendungsbereich einer Radhose ist entscheidend, da die Sitzhaltung je nach Sportart variiert.

Anita, Du bist selbst leidenschaftliche Mountainbikerin, warum ist die Polsterung für Mountainbiker anders als die für Rennradfahrer?

Anita: Auf dem Rennrad ist der Fahrer eher nach vorne gebeugt, wodurch der Druck auf die schmalste Stelle des Sattels verstärkt wird. Auf dem Mountainbike ist das Körpergewicht nach hinten verlagert, der Druck wird auf die Sitzbein-Gegend ausgeübt. GORE BIKE WEAR® Sitzpolster bieten eine perfekte Passform, Schutz und Komfort je nach Einsatzbereich.

Sind Frauen anders gepolstert als Männer?

Anita: Damen haben ein weicheres Steißbein und der Schambeinknochen sitzt bei Frauen tiefer, als bei Herren. Bei uns Frauen drückt es somit relativ schnell im Schambereich. In unseren Frauenpolstern ist deshalb eine Art Stufe eingebaut, so dass man beim Nachvornebeugen keinen Druck verspürt. Zudem ist der Beckenknochenabstand bei Frauen tendenziell größer als beim Mann. Deshalb decken unsere Frauenpolster die gesamte Bandbreite ab.

Unbenannt
Frau“ muss sich bei der GORE BIKE WEAR® Radhose keine Gedanken über ihren Beckenknochenabstand machen. Und auch für alle Herren der Schöpfung hat GORE BIKE WEAR® eine echte Innovation auf den Markt gebracht.

Wie polstert man die perfekte Männerhose?

Anita: Damit an den Weichteilen nichts quetscht, haben wir durch eine neuartige Schnittführung im vorderen Bereich der Radhose eine Art Cup eingearbeitet, der ausreichend Platz bietet und an den richtigen und wichtigen Stellen während des Bikens den Druck reduziert.
Ab Beginn der Weichteile befindet sich ein vorgeformter und patentierter Einsatz aus WINDSTOPPER® Membran, der die männliche Anatomie optimal unterstützt. Der kleine positive Nebeneffekt: durch das eingearbeitete WINDSTOPPER® Material ist die neue Technologie drei Mal atmungsaktiver als ein Polsterschaum und schützt ganz nebenbei vor unangenehmem Wind, vor allem in der Abfahrt.

Welche Rolle spielt der Sattel?

Anita: Das Polster bietet zusätzlichen Komfort und kann natürlich keinen schlechten oder unpassenden Sattel wettmachen. Beim Sattelkauf ist es deshalb besonders wichtig, auf den Abstand der Beckenknochen zu achten. Gut ist es, den Abstand der Beckenknochen zu messen. Dazu kann man sich auf klassisches Wellpapier setzen und am Abdruck im Papier den Abstand zwischen den Beckenknochen messen. Passt der Sattel, dann passt die GORE BIKE WEAR® Radhose in jedem Fall dazu.

Und wie findet man jetzt die perfekte Radhose?

Anita: Um die perfekte Radhose zu finden, solle man je nach Fahrweise, Geschlecht, Entfernung und Intensität entscheiden. Das Herzstück der Hose ist von außen nicht sichtbar und die Haptik des Polsters ist wichtig, also einfach mal in die Hose reinfühlen und sich ein Urteil bilden. Mein Tipp: Nicht nur mit dem Daumen in das Polster drücken, als stärkster Finger ist er nicht sensibel genug. Um die Stärke des Polsters zu fühlen, benutzt man am besten die ganze Handfläche.

Herzlichen Dank, Anita!

Ich selbst habe mein Rennradhosen-Glück in der POWER LADY 3.0 Trägerhose gefunden und beim Mountainbiken kommt die Power Trail Lady Shorts ziemlich gut, kann ich nur empfehlen.

Wenn ihr wissen möchtet, welche Radhose am Besten zu euch passt folgt unserem Sitzpolster Guide.

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