1. März 2017

Steil, steiler Streif!

Die legendäre Streif mit Skiern hinunter zu fahren ist schon ein Abenteuer für sich, doch bergauf mit Spikes und 1000 anderen Verrückten? Die Gore Athleten Lisa Mehl, Florian Holzinger und Nathalie Schneitter sowie Gore Mitarbeiter Manfred Url haben genau jenes versucht: beim „Vertical Up“ in Kitzbühel.
Titelfoto: Michael Werlberger

Denke ich an Ski-Abfahrtsrennen, denke ich an die „Streif“ in Kitzbühel. Kein Rennen des alpinen Ski-Weltcup-Kalenders schafft es die Massen mehr in den Bann dieser respekteinflößenden Ski-Disziplin zu ziehen. Die Streif ist legendär, ein echter Mythos, die Sieger werden zu Helden ihres Sports. Denke ich dagegen im Winter an Laufwettkämpfe, dann zumeist an einen bevorstehenden Marathon im Frühjahr und die jetzt beginnende heiße Phase der Vorbereitung. Die Streif kam mir in diesem Zusammenhang noch nie in den Sinn – bis jetzt!

Gemeinsam mit Gore Athleten hautnah den Mythos der Streif erleben

Das sollte sich dieses Jahr ändern: Ein Start beim „Vertical Up“ auf der Streif in Kitzbühel war geplant. Das Rennen folgt einer simplen Idee: Bewältige die Streif aus eigener Kraft und so schnell du kannst, egal wie – von unten nach oben! Mit diesem Konzept hat sich das Vertical Up auf der Streif zum Highlight einer ganzen Wettkampfserie aus Rennen auf den berühmtesten Abfahrtsstrecken der Alpen entwickelt.
Es geht also nach Kitzbühel, und mit von der Partie sind die beiden GORE RUNNING WEAR Athleten Lisa Mehl und Florian Holzinger, beides Gewinner des GORE-TEX® Transalpine Runs 2016. Florian darf sich als stärkster Läufer in unserem Kreis und zudem als einziger mit Streif- Erfahrung durchaus Hoffnung auf eine vordere Platzierung machen. Mit dabei ist auch die Schweizer GORE BIKE WEAR® Profi-Mountainbikerin Nathalie Schneitter vom Team ROSE Vaujany sowie die Expeditions-Bergsteigerin Tamara Lunger vom GORE-TEX® Team – ebenfalls schon Siegerin des GORE-TEX® Transalpine Run.

„Pre-Race-Kribbeln“ in heftiger Form

Am Start stehe ich zusammen mit Lisa inmitten hagerer Rennpferde in engen Skitouren-Rennanzügen im vorderen Bereich des Feldes. Läuft alles normal, sollten wir ähnlich schnell sein. Lisa steckt wie ich mitten in der Vorbereitung auf einen Straßen-Marathon mit ambitionierten Zielen, weshalb wir beide unsere Trainingsplanung nicht wirklich auf das Vertical Up ausrichten konnten. Diese Tatsache und der ungewisse Blick auf die extrem steil abfallende Hausbergkante direkt vor uns machen uns beide etwas nervös. Wir merken uns das wohl auch gegenseitig an und scherzen:

Unsere Nebenleute dürften sicher an so manchem Trainingstag mehr Höhenmeter bolzen als wir beide bisher im gesamten Jahr geschafft haben – aber irgendwie kommen wir da schon hoch!

Trotz kurzer Momente von Selbstzweifel ist klar: Wir haben richtig Bock auf die Herausforderung Streif! Die Stimmung am Start elektrisiert!
Augenblicke später schickt uns ein lauter Böllerschuss zusammen mit der wild losstürmenden Meute in den Zielhang der Streif. Es dauert nicht lange und aus dem anfänglichen Rennen wird im immer steiler werdenden Gelände ein mühsames Steigen. Obwohl ich mir vorgenommen hatte möglichst weit an der Seite der Piste zu laufen, wo der Schnee griffiger schien, geraten wir immer mehr in die Mitte des Hausberghanges, wo es extrem eisig ist. Das Eis ist so hart, dass es mir schwer fällt die Stöcke ins Eis zu rammen, immer wieder rutsche ich ab. Zudem ist es hier so steil, dass meine „Snowline-Spikes“ nicht mehr genug Halt geben und ich regelmäßig zusammenzucke wenn mein Fuß nach unten absackt. Ich wünschte ich hätte jetzt Ähnliches am Fuß wie Florians selbst entwickelte und gebaute „Lauf-Eisen mit integrierter Steighilfe“ – übrigens ein echter Hingucker und technisches Highlight des Tages!

„Domino Day“ an der Hausbergkante

Es kommt was kommen muss: Die ersten Läufer vor mir stürzen. Wie menschliche Bowling-Kugeln schießen die gestürzten Läufer Richtung Tal und reißen dabei alle anderen mit, die im Weg stehen – klassischer Dominoeffekt. Wie wenig ich das selbst noch im Griff habe merke ich keine Minute später: Mich trifft ein gestürzter Läufer, der mit Vollspeed auf dem Bauch liegend den Hausberg runter schießt. Sofort zieht es mir die Beine weg, ich knalle mit voller Wucht auf die betonharte Eisschicht und sause ebenfalls nach unten. Irgendwie anhalten? Fehlanzeige! Erst als das Gelände etwas flacher wird gewinne ich die Kontrolle zurück und kann die Talfahrt stoppen. Nach kurzer Bestandsaufnahme stelle ich fest, dass ich mich zumindest nicht schwerer verletzt habe.

Auch Lisa wurde von einem anderen Läufer erwischt, und zwar so schwer, dass dabei einer Ihrer Stöcke zu Bruch ging. Zum Glück blieb auch sie, bis auf einige schmerzhafte Kratzer, ohne schwere Verletzung. An eine Fortsetzung des Rennens mit nur einem Stock war trotzdem nicht zu denken. Auch ich überlege kurz ob ich aufhöre, entscheide mich dann aber doch für einen weiteren Versuch.

Das langsame Feld vor der Brust, die Mausefalle im Kopf!

Ich wähle nun eine günstigere Linie und schaffe es schließlich über die Hausbergkante. Danach wird es erstmalig flacher und ich kann wieder laufen. Von nun an folgt mein Rennen einem sich wiederholenden Muster: Im laufbaren Gelände überhole ich unzählige langsamere Läufer und komme gut vorwärts, in den Steilstücken reihen sich alle Läufer hintereinander um der Ideallinie zu folgen. Ich hänge fest im Stau und verliere wieder Zeit. Überholvorgänge im Steilen will ich trotzdem nicht mehr riskieren, ein weiterer Sturz muss wirklich nicht sein. Einzig die berühmte Mausefalle, das berüchtigtste Steilstück der Streif, macht mir jetzt noch Sorgen.

Foto: Michael Werlberger


Mit einer Neigung von 85 % ist sie tatsächlich noch steiler als die Hausbergkante, doch der Schnee ist zum Glück griffiger und das Ziel nah. Auf den letzten Metern werden die Läufer durch ein Spalier an tobenden Zuschauern nach oben getrieben, die Atmosphäre im Zielbereich ist ein emotionales Erlebnis und war alleine schon die Mühen wert.

Auch alle anderen aus unserer Truppe hatten ganz offensichtlich Spaß sich mit der berühmtesten aller Abfahrtstrecken zu messen. Frohnatur Nathalie kommt nur einige Minuten nach mir ins Ziel und strahlt zufrieden, ob der gelungenen Abwechslung vom Biken und dem unvergesslichen Erlebnis Streif:

Am Hausberg war es zwischenzeitlich ein echter Überlebenskampf aber dann einfach nur geil! Niemals würde ich auf Ski hier runter fahren!

Florian, der mit einer Zeit von 38:04 Minuten einen ganz starken 29. Gesamtrang belegt, hadert lediglich kurz mit seinem selbst entwickelten Material: „Irgendwie waren die Eisen im ganz steilen Gelände dann doch etwas instabil, das hat unnötig Zeit gekostet. Für das nächste Mal muss ich die Konstruktion noch weiter optimieren.“

Tamara landet mit Ihrem 6. Platz noch weiter vorne im Damenfeld und zeigt damit einmal mehr ihre Kämpfer-Qualitäten und ihr Talent fürs Extreme! Und selbst Lisa kann nach ihrem unverschuldeten Crash schnell wieder lachen und freut sich auf eine Rückkehr an die Streif und die bevorstehende Herausforderung beim Hamburg Marathon. Ganz pflichtbewusster Muster-Athlet plant Sie noch am Abend und ihren Schrammen zum Trotz, für nächsten Morgen einen 35 km Lauf – das sieht ihr Trainingsplan für Hamburg nun mal so vor. Allerdings mit 0% Steigung.

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