18. November 2016

The Japanese Odyssey – ein Bikeabenteuer für Bergaufschwimmer

Als Hamburger Biker sind Philipp und Carlos einiges an Regen gewöhnt. Aber was es bedeutet, in einem Taifun-Ausläufer bergauf zu radeln, wissen sie erst seit dem verrücktesten Rad-Abenteuer ihres Lebens mitten durch ein Japan off the beaten track. Hier erzählen sie von ihrer persönlichen Japanese Odyssey.

Lockruf aus dem Land des Lächelns

Als Timo von Pelago Bicycles mich anruft, stehe ich am Hamburg Flughafen mit meinem Fotorucksack. Das Telefonat dauert nicht besonders lange. „Carlos, hier spricht Timo von Pelago. Wir supporten dieses Jahr die Japanese Odyssey, eine Langstreckenfahrt durch Japan. Wir schätzen und mögen deine Fotos und wollen, das du für uns dort mitfährst.“ Timo serviert mir noch ein paar weitere Eckdaten: „Start in Tokyo, Ziel Osaka, 14 Tage, 11 Checkpoints, ca. 2400 Kilometer und 48000 Höhenmeter.“ In meinem Kopf geht es los:“Japan – der Hammer! Abenteuer! Berge! – Ich hab null Erfahrung mit Fahrrad fahren in den Bergen, ich wohne schließlich hier in Hamburg, dort ist es total flach!“ Nach ein paar Sekunden und unfassbar vielen Gedanken kommt dann folgender Satz aus meinem Mund:“Hell, yeah!“

Zwei Bikes, zwei Buddies und ein blauäugiger Start ins Abenteuer

Ich frage direkt meinen Buddy Philipp (Lee Heidrich/Videograph), ob er mich begleiten will. Auch er ist erst mal etwas überrumpelt von diesem ungewöhnlichen Angebot:“Ich wollte eigentlich 2 Wochen nach Mallorca, bißchen feiern und am Strand liegen, aber… ich komm mit!“ Ab nun geht’s los mit unserer Planung: Route, Equipment, Infos über Japan, Flüge … Unsere etwas naive Vorstellung vor dem Start unserer Odyssey in Tokio ist einfach nur die, unsere Route von 2294 Kilometern und 47400 Höhenmetern zu meistern und die Strecke durchzufahren. Wir denken nicht weiter über die Kultur, die Gastfreundlichkeit, die Wetterbedingungen und die Menschen, denen wir am anderen Ende der Welt begegnen könnten, nach. Ziemlich blauäugig, eigentlich.

Startschuss in Tokio: Die Odyssey beginnt

Der Beginn der Japanese Odyssey an der Nihonbashi Brücke, die den Kilometer 0 des japanischen Straßennetzes beschreibt, verläuft entspannt. Alle 21 Starter aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt kommen dort zusammen. Um 5 Uhr fällt dann der offizielle Startschuss. Von nun an heißt es für uns Fahrer erstmal, schnellstmöglich aus dem Einzugsgebiet von Tokio herauszukommen. Es dauert etwa 80 Kilometer, bis wir nicht mehr von der Stadt umgeben sind. Dabei ist es warm und trocken – ideale Bedingungen für uns. Wir erklimmen den ersten Berg bis zum Checkpoint, der wie alle Checkpoints dieser Odyssey auf dem höchsten befahrbaren Punkt liegt. Beim Downhill geben wir dann alles. Mit unseren 26 Kilogramm schweren Rädern samt Gepäck kommen wir auf 80 Stundenkilometer Topspeed und die Geschwindigkeit zaubert uns ein ultrabreites Grinsen ins Gesicht.

Wir machen Bekanntschaft mit einem nassen Begleiter und tauchen ab in ein fremdes Land

Die erste Etappe ist geschafft. Wir suchen nach einer Unterkunft, entschließen uns dann aber, hinter einem Konbini (der japanische Ausdruck für Convenience Store – einer Mischung aus Kiosk und Supermarkt) zu kampieren. Und dann beginnt er, der Regen. Es schüttet wie aus Gießkannen und es sieht nicht so aus, als würde es bald wieder aufhören. Acht lange Tage wird dieser Regen neben unserer Regenmontur zu unserem treuesten Begleiter. Er legt wie wir selbst höchstens mal ein kurzes Päuschen ein, aber er bleibt allgegenwärtig.
Genauso allgegenwärtig ist die Gastfreundlichkeit der Japaner, die uns vielerorts zu Tee, Essen oder einer Unterhaltung einladen und deren Aura uns trotz Sprachbarriere in ihren Bann zieht. So blauäugig und unvorbereitet wir diesen Trip nach Japan auch angegangen sind, so tief tauchen wir während dieser Japanese Odyssey dann in die Kultur dieses geheimnisvollen Landes ein. Das haben wir auch unserer Route zu verdanken, die uns ein Japan off the beaten track zeigt. Wir fahren durch die entlegensten Regionen, über Straßen die nur noch auf Karten existierten, in Realität aber von Erdbeben und Erdrutschen verwüstet sind und und immer wieder testen die Berge unseren Willen und unser Durchhaltevermögen.

Die ersten Tage: Lektionen im Bergaufschwimmen

Die ersten Tage geht es über sechs Gipfel durch die japanischen Alpen, begleitet von den Ausläufern des ersten Taifuns, der uns mit Dauerregen überhäuft und im Südwesten des Landes für Erdrutsche und Verwüstung sorgt.
Auf dem Weg von den Japanischen Alpen in den Südwesten der Hauptinsel löst sich der erste Taifun dann auf und gönnt uns ein paar Etappen bei beinahe schon angenehmen Nieselregen. Der nächste Taifun lässt allerdings nicht lange auf sich warten. Er bereitet uns gleich nach der Fährfahrt in Tokushima einen nasskalten Empfang und begleitet uns bis kurz vor unsere letzten Kilometer. Manche Bergfahrten fühlen sich an, als würde man bergauf schwimmen anstatt zu fahren.

Game over kurz vorm Gipfel

Am elften Tag, nur wenige Kilometer vom nächsten Checkpoint, bleibe ich in der aufkommenden Dämmerung,
auf einer schon lange nicht mehr benutzen Straße an einem Fels hängen. Mein Schaltwerk bricht in zwei Teile und an Weiterfahren ist erstmal nicht zu denken. Zu allem Überfluss befinden wir uns 45 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt. Also heißt es für uns schieben, und zwar bergauf. Uns bleibt nur übrig, durchzuhalten und auf mehr Glück auf der anderen Seite des Berges zu hoffen.

Hilfsbereitschaft und das Ende einer großartigen Reise

Wir rollen nach dem Gipfel bergab und kommen an eine größere Straße. Ein ältere Paar läuft uns hier sprichwörtlich vor die Füße. Wir müssen ihr Mitleid erweckt haben, denn nach anfänglicher Skepsis der beiden uns müden, abgekämpften und mit Sicherheit nicht gut riechenden Jungs gegenüber fangen sie an, zu telefonieren. Mit ihrer Hilfe und der Hilfe der japanischen Polizei landen wir schließlich bei Makoto, einem extrem hilfsbereiten 25-Jährigen aus dem nächsten Dorf. Dort bekommen wir Essen, ein Zimmer für die Nacht und für den Morgen die Aussicht auf eine Mitfahrgelegenheit in die nächste größere Stadt. In dieser Nacht kommen wir aber zu dem Entschluss, unsere Reise auf dem Fahrrad genau hier enden zu lassen. Wir sind der japanischen Kultur und den Menschen dieses Landes in den vergangenen Tagen näher gekommen, als wir es uns jemals hätten träumen lassen. Hinter uns liegen unzählige tolle Begegnungen, gastfreundliche Gesten und Akte der Hilfsbereitschaft, mit denen wir alleine schon wegen der Sprachbarriere nicht gerechnet haben.

Von Uwajima (der nächsten Stadt) geht es also weiter mit dem Zug und Fähre über Hiroshima nach Osaka,
dem finalen Checkpoint der Japanese Odyssey. Die meisten der 21 Starter sind auf unterschiedlichsten Wegen dort hingekommen, um am letzten Tag zusammen zu feiern und Erlebnisse auszutauschen. Wir können nur sagen, es wurde eine sehr lange Nacht …

Hier findet ihr mehr Infos zu Carlos und Philipp:

Carlos Fernandez Laser / Photographer & Road Connoisseur
www.carlosfernandez.de / IG: @carlosfernandezlaser

Philipp Lee Heidrich / Videographer
www.philippleeheidrich.com / IG: @philippleeheidrich


Das hält euch beim Biken unter Extrembedingungen trocken:


Du bist beim Biken in einen Taifun-Ausläufer geraten? Dann hattest Du wie Carlos und Philipp hoffentlich das richtige Equipment für den Kampf mit den Elementen. Die beiden tragen unsere innovativste Jacke, die ONE GORE-TEX® Active Bike Jacke mit SHAKEDRY™ Produkttechnologie.

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