6. September 2016

The trend is your friend

Hübsche Spielerei für Pseudo-Sportler oder echtes Hilfsmittel um schneller, fitter und gar schlanker zu werden? Activity Tracker sind in aller Munde. Zeit für einen Selbstversuch.

A360_OHR_whites„100%“ zeigt meine Polar A 360. „Tagesziel erreicht!“ Ein kleines Blink-Feuerwerk beglückwünscht mich zu meiner Leistung. Schmunzelnd nehme ich das elektronische Lob zur Kenntnis – immerhin war ich ja auch eine Stunde beim Laufen.
Activity Tracker sind weit verbreitet. Laut Süddeutscher Zeitung nutzt bereits jeder dritte Deutsche solch ein Fitness-Armband. Die einen wollen dadurch tatsächlich aktiver werden, gar gesünder leben, andere zielgerichteter trainieren, und manch einer will vielleicht einfach nur abnehmen.

Ein Nicht-Techie fragt sich: wozu braucht man die eigentlich?

Ich bin zwar durchaus empfänglich für neue Gadgets, aber auch kein ausgewiesener „Techie“, der sich durch die meist zahlreichen Untermenüs von Sportuhren wühlt und mehr Zeit bei der Auswertung der Daten verbringt als beim Laufen und Radeln selbst. Sportuhren sollen in meinen Augen einfach zu bedienen sein und mir als leidenschaftlichem Läufer vor allem zeigen, wie weit ich in welcher Zeit gelaufen bin. Brauche ich da einen Schritt- und Kalorienzähler, ein Armband, das mir erzählt wie gut ich geschlafen habe, oder gar einen Hinweis, dass ich mich mehr bewegen müsse?
Bei einer gemeinsamen Presse-Veranstaltung mit Polar wurde ich dann etwas neugierig: Die Finnen sind ausgewiesene Experten auf diesem Gebiet und haben mit dem „A 360“ einen kommerziellen Volltreffer gelandet. Tilmann, Produktexperte bei Polar, erklärt den Teilnehmers das Gerät im Detail, zeigt in der App wie erholsam die letzte Nacht war, dass sein selbst gestecktes Trainingsziel gerade in weite Ferne gerückt ist, und dass sein Puls bei der vorangegangenen Bike-Runde im grünen Bereich lag. Ganz schön viel für so ein kleines Gerät, und das ist noch längst nicht alles. Ein A 360 Testgerät in Kombination mit der „Balance“ Waage sollten Klarheit bringen.

Klein, schwarz, schick


Klein, schwarz, schick: der A 360 schaut schon mal gut aus. Die erste Bluetooth Koppelung mit der Balance Waage und der Polar Flow App auf dem iphone dauerte zwar länger als erwartet, doch dann konnte es losgehen. Ich lasse mich überwachen, 24 h am Tag, dazu jeden Tag eine Gewichtskontrolle mit der Waage. Alles protokolliert und synchronisiert mit dem iphone und der installieren Polar Flow App.
Doch was kann der A 360 überhaupt? Nun: er misst deine Aktivität! So banal das klingen mag, so detaillierte Aufschlüsse gibt das Gerät. Es misst jede Bewegung über einen „3 D Beschleunigungssensor“ – und damit auch Distanz und Geschwindigkeit – , den Kalorienverbrauch, sowie wie die „Schlafqualität“, ja: sogar den Puls misst das Gerät. Und zwar praktischerweise am Handgelenk mit einer optischen Messung. Einzige Voraussetzung: Man muss dazu den Trainings- oder Herzfrequenzmodus aktivieren.

Der Computer, dein schlechtes Gewissen

Entsprechend lassen sich auch alle möglichen Trainings-Ziele vorgeben und überwachen, eigene Trainingspläne darunterlegen und das Ganze auch noch mit dem Smartphone oder über den Computer verbinden. Auch Nachrichten wie Anrufe oder E-Mails kann man sich anzeigen lassen. Und wer mal wieder faul auf der Couch liegt oder zu lange den Bürostuhl drückt, den erinnert der A 360 mit einem sanften Vibrationsalarm: „Zeit für Bewegung“. Erinnern, motivieren, bestätigen – das kann der kleine Helfer extrem gut! Und das ist da noch die Waage „Balance“, die sich mit dem A 360 koppeln lässt. Draufstellen und schon überträgt sich das Gewicht per „Bluetooth smart“. Auf der Polar Flow App und im Polar Balance Webservice werden dann mein Aktivitäts- und Gewichtsverlauf „verarbeitet“ und daraus mein persönliches Aktivitätsziel (für mein Zielgewicht) definiert. Die simple, aber effektive Formel lautet: Wenn ich abnehmen will, dann muss ich mich mehr als durchschnittlich bewegen – wieviel genau, das zeigt der A360 dann an und motiviert dazu.

Überraschung beim Blick auf die Waage

Polar Waage
Jürgen beim Faktencheck auf der Polar-Waage

Nach ein paar Test-Monaten hat sich der A 360 tatsächlich bewährt. Zugegeben: für exakte Schritt- und Kalorienzählungen nutze ich ihn nicht, ebenso wenig die Nachrichtenalarme. Der Aktivitätsaufruf hingegen hat mich schon wiederholt aus meinem Sessel aufstehen lassen, doch die größte Überraschung erlebte ich bei der Koppelung mit der Waage: einmal ein Gewichtsziel eingegeben, kann man auf der App wunderbar die Entwicklung verfolgen. Nach 4 Wochen hatte ich 2 Kilo abgenommen, das ist mir so schnell noch nie gelungen. Der Trend zeigte eindeutig in die richtige Richtung. Nun könnte man meinen, es reiche doch, wenn man sich täglich auf die Waage stelle. Stimmt schon, funktioniert eben nur nicht – erst die Trendkurve funktioniert als Motivator und bestätigt, dass man auf dem richtigen Weg ist – „the trend is your friend“ wie es an der Börse so schön heißt. Übrigens gilt das auch andersrum: Seit 3 Wochen scheint der Talboden durchschritten und die Kurve geht wieder nach oben …

Technik und Bauchgefühl


Fazit: der A 360 von Polar kann sehr viel und ist weit mehr als eine Spielerei. Was ich allerdings als Trailrunner vermisse ist eine exakte Distanzmessung über GPS, denn das bietet der kleine A 360 nicht, die Schrittzählung über den Bewegungssensor ist mir in den Bergen zu ungewiss. Doch dafür hat Polar nun ab sofort den „M 600“ im Programm, eine echte Sports-Smartwatch – neben den Beststellern für Sportler mit ebenfalls exakter-GPS Messung, dem „M 400“ und dem Flagschiff, dem „V 800“. Mehr unter www.polar.com.

Übrigens: am Ende seines Vortrages erklärte Tilmann von Polar, selbst aktiver Sportler mit einer Ironman-Bestzeit von unter 10 h: „Trotz all der Daten, die solch ein Gerät ausspucken kann, sollte man sich beim Sport auch auf sein Gefühl verlassen.“ Recht hat her.


Das trägt Jürgen draußen auf den Trails: